Momentum braucht Regeln – warum Disziplin wichtiger ist als Prognosen

Im let­zten Beitrag ging es um Diszi­plin als entschei­den­den Erfol­gs­fak­tor: Nicht weil man die Zukun­ft ken­nen muss, son­dern weil kon­se­quentes Han­deln in tur­bu­len­ten Phasen oft wichtiger ist als die per­fek­te Analyse. Genau hier set­zt Momen­tum an. Nicht als Prog­no­se­in­stru­ment, son­dern als regel­basiert­er Prozess, der Entschei­dun­gen ent­lastet und typ­is­che Ver­hal­tens­fehler reduziert. Damit Momen­tum diese Rolle erfüllen kann, braucht es jedoch klare Regeln, die vor­ab definiert sind – und nicht erst dann, wenn der Markt ger­ade nervös wird.

Momen­tum wird oft missver­standen. Für die einen ist es eine aggres­sive Han­delsstrate­gie, für andere eine kurzfristige Wette auf Trends. Bei­de Sichtweisen greifen zu kurz. In der Prax­is ist Momen­tum keine Prog­nose über die Zukun­ft, son­dern eine sys­tem­a­tis­che Art, mit Unsicher­heit umzuge­hen. Der Mehrw­ert entste­ht nicht durch Mark­t­mei­n­un­gen, son­dern durch klare Regeln, die helfen, Entschei­dun­gen kon­se­quent und emo­tions­frei umzusetzen.

Ger­ade im Kon­text eines glob­al diver­si­fizierten ETF-Port­fo­lios kann Momen­tum deshalb eine sin­nvolle Ergänzung sein – nicht als Ersatz, son­dern als Satel­lite-Strate­gie mit klar­er Funk­tion. Entschei­dend ist, dass der Baustein so gestal­tet ist, dass er das Home-Bias-Prob­lem nicht wieder ver­schärft, son­dern struk­turell adressiert.

1. Momentum als Theorie – was es ist und was nicht

Fak­ten:

  • Momen­tum beschreibt die empirisch gut belegte Beobach­tung, dass Wert­pa­piere mit rel­a­tiv guter Wer­ten­twick­lung ten­den­ziell länger bess­er laufen als schwächere.
  • Dieser Effekt wurde über ver­schiedene Märk­te, Zeiträume und Anlageklassen hin­weg dokumentiert.
  • Momen­tum ist keine Vorher­sage, son­dern eine reak­tive Strate­gie: Sie reagiert auf beobachtete Trends statt auf Vermutungen.

Abgren­zung: Momen­tum ist expliz­it nicht Mar­ket Tim­ing im klas­sis­chen Sinn, keine Mei­n­ung über Bew­er­tun­gen und keine kurzfristige Speku­la­tion auf Nachricht­en. Wer Momen­tum so ver­ste­ht, lan­det rasch bei diskre­tionären Entschei­dun­gen – und ver­liert genau den Vorteil, den eine regel­basierte Meth­ode bieten kann.

Schlussfol­gerung: Momen­tum akzep­tiert, dass Märk­te nicht zuver­läs­sig prog­nos­tizier­bar sind. Stattdessen wird sys­tem­a­tisch auf das reagiert, was bere­its passiert ist.

2. Warum Momentum ohne Regeln nicht funktioniert

Viele Anleger scheit­ern nicht an der Idee von Momen­tum, son­dern an der Umset­zung. Die gle­ichen Muster tauchen immer wieder auf: Ein- und Ausstiege erfol­gen zu spät oder zu früh, Regeln wer­den in Stressphasen ignori­ert, Rückschläge führen zu Strategieabbrüchen.

Zen­trale Ein­sicht: Momen­tum ent­fal­tet seinen Nutzen nur dann, wenn es kon­se­quent regel­basiert umge­set­zt wird. Ohne klare Regeln wird Momen­tum emo­tion­al, inkon­sis­tent und let­ztlich nicht mehr unter­schei­d­bar von Bauchentscheiden.

Schlussfol­gerung: Momen­tum erset­zt nicht das Denken, son­dern diszi­plin­iert das Han­deln. Genau dafür braucht es ein­fache, nachvol­lziehbare und vordefinierte Regeln.

3. Die Rolle von Momentum im globalen ETF-Portfolio

Ein bre­it diver­si­fiziertes ETF-Port­fo­lio bleibt aus unser­er Sicht das Fun­da­ment ein­er langfristi­gen Anlages­trate­gie: glob­al, kosten­ef­fizient, struk­turell robust – und eine prag­ma­tis­che Antwort auf Home Bias. Momen­tum ist kein Gegen­mod­ell dazu.

Als Satel­lite-Baustein erfüllt Momen­tum eine klar abge­gren­zte Aufgabe:

  • gezielte Nutzung von Mark­t­trends, ohne per­ma­nente Marktmeinung
  • Erhöhung der Diszi­plin bei der Steuerung des Aktienexposures
  • aktive Steuerung als Ergänzung zum Kern­port­fo­lio, nicht als Ersatz

Wichtig ist dabei weniger die Kom­plex­ität als die Klarheit: eine begren­zte Gewich­tung, definierte Rebal­anc­ing-Regeln und ein glob­aler Fokus, damit keine unge­wollte Rück­kehr zu nationalen Präferen­zen entsteht.

Schlussfol­gerung: Momen­tum ergänzt das Kern­port­fo­lio dort, wo Emo­tio­nen und Entschei­dungs­fehler typ­is­cher­weise am grössten sind – bei der Frage, wann man investiert bleibt und wann man reduziert.

4. Momentum und Home Bias – ein sachlicher Zusammenhang

Home Bias entste­ht häu­fig nicht aus Überzeu­gung, son­dern aus Ver­trautheit und dem Gefühl von Kon­trolle. Das ist men­schlich, aber es kann teuer wer­den, wenn dadurch Chan­cen ausser­halb des Heim­mark­ts sys­tem­a­tisch ver­passt wer­den oder Risiken unnötig konzen­tri­ert bleiben.

Momen­tum wirkt diesem Effekt indi­rekt ent­ge­gen – voraus­ge­set­zt, es wird glob­al definiert:

  • Entschei­dun­gen basieren auf rel­a­tiv­er Stärke, nicht auf Herkunft
  • Kap­i­tal fliesst dor­thin, wo Trends beste­hen – unab­hängig vom Heimatmarkt
  • Nationale Präferen­zen ver­lieren an Bedeu­tung, weil der Prozess die Auswahl dominiert

Schlussfol­gerung: Momen­tum ist kein explizites Anti-Home-Bias-Konzept, aber ein wirk­sames Kor­rek­tiv, wenn es glob­al und regel­basiert angewen­det wird.

5. Was Momentum leisten kann – und was nicht

Was Momen­tum leis­ten kann:

  • Diszi­plin erzwin­gen und den Entschei­dung­sprozess entlasten
  • emo­tionale Fehler reduzieren, vor allem in starken Trendphasen
  • Hand­lungs­fähigkeit schaf­fen, ohne auf per­fek­te Prog­nosen angewiesen zu sein

Was Momen­tum nicht leis­ten kann:

  • Ver­luste ver­mei­den oder Wen­depunk­te zuver­läs­sig treffen
  • in jed­er Mark­t­phase bess­er sein als ein bre­it diver­si­fiziertes Kernportfolio
  • eine kon­stante Out­per­for­mance garantieren

Zen­trale Einord­nung: Momen­tum ist kein Ren­ditev­er­sprechen, son­dern ein Umset­zungswerkzeug. Es hil­ft, einen Prozess durchzuhal­ten – und das ist in der Prax­is oft der entschei­dende Unterschied.

Fazit

Momen­tum ist wed­er Zauber­formel noch tak­tis­ches Spielzeug. Richtig ver­standen und richtig einge­set­zt ist es ein method­is­ch­er Ansatz, um mit Unsicher­heit struk­turi­ert umzuge­hen. In Kom­bi­na­tion mit einem glob­al diver­si­fizierten ETF-Port­fo­lio kann Momen­tum als Ergänzung dazu beitra­gen, Diszi­plin zu erhöhen und emo­tionale Verz­er­run­gen zu reduzieren – voraus­ge­set­zt, die Regeln ste­hen fest, bevor es unruhig wird.

Aus­blick: Wenn Regeln der Schlüs­sel sind, stellt sich die näch­ste Frage: Wie ein­fach müssen Regel­w­erke sein, damit sie auch in Stressphasen einge­hal­ten werden?

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5. Jan­u­ar 2026
Rolf Gloor

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gloor@winterthurconsulting.ch

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